Das Auswahlverfahren ist schlecht! – Teil 2: Dr. Daniele Ganser im Interview über die US-Präsidentschaftswahlen

Vor einiger Zeit bekam ich die Möglichkeit, den bekannten schweizer Historiker, Friedens- und Energie-Forscher Dr. Daniele Ganser im Büro seines Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) bei Basel zu besuchen um ein Interview mit ihm zu führen. In einer äußerst freundlichen, lustigen und von beiderseitigem Interesse geprägten Stunde sprachen wir über seine Person, seine Arbeit, illegale Kriegsführung und Fußball. Weiterlesen sei daher jedem empfohlen, der schon immer wissen wollte, warum die UNO nicht funktioniert, und was Medienkompetenz und Kriegspropaganda mit Fußball gemein haben.


Alle Teile:


Anmerkung: Dieses Interview wurde bereits vor den abschließenden Wahlen geführt.


Sind Sie der Meinung, dass einer der beiden US-Präsidentschaftskandidaten, die ja als die unbeliebtesten Kandidaten aller Zeiten gelten, weniger schlimm ist als der andere?

Nein. Also Trump ist ein extremer Narzisst und ein Lügner. Dann ist er noch ungebildet, sagt Belgien ist eine schöne Stadt. Da muss ich einfach sagen, wenn das die besten sind, die zur Auswahl sind, dann ist das Auswahlverfahren schlecht. Und Hillary Clinton ist gefährlich. Die hat Libyen angegriffen, das ist ein Kriegsverbrechen. Die Leute sagen immer: “Ja, aber Gaddafi war böse.” Nein! Es ist gibt keine Rechtsdefinition vom bösen Herrscher, die dann erlaubt, man darf reingehen. Und Hillary Clinton hat auch gesagt, sie will den Iran angreifen. Sie hat gesagt, sie will Assad stürzen. Die Frau ist völlig gefährlich! Und eigentlich, was so unter dem Strich bleibt, ist: Beide dienen dem militärisch-industriellen Komplex. Und der militärisch-industrielle Komplex will alles immer mit Gewalt lösen, weil dann verdient er etwas. Es gibt einen amerikanischen Journalisten, William Blum, der gesagt hat: “Wenn ich Präsident würde, dann würde ich mich am ersten Tag bei allen Ländern entschuldigen, die wir bombardiert haben – das sind viele, das sind über 50. Am zweiten Tag würde ich Reparationszahlungen leisten und die Militärstützpunkte im Ausland schließen. Und am dritten Tag würde ich erschossen.” Und das ist natürlich die Problematik, dass wir jetzt zwei Präsidenten in der Auswahl haben, wo viele vor allem in der Friedensbewegung sagen, das kann nur schlimm kommen. Und was ist dann der Vorteil? ich sage, der Vorteil ist, wenn es noch deutlicher wird. Aber das ist wieder mit sehr viel Leid verbunden. Angenommen Clinton wird Präsidentin und greift den Iran an. Das wäre ein Negativ-Horror-Szenario. Aber wenn es dazu kommt… Da sind wir wieder am gleichen Punkt. Da sehen wir wieder, mit mehr Gewalt können wir die Probleme nicht lösen. eine aggressive Außenpolitik, die sich nicht an das Völkerrecht hält, die die UNO-Charta missachtet, lässt die ganze Welt in Flammen aufgehen. Und ich sag mal, der Teufelskreis, in dem sind wir schon drin. Aber der Teufelskreis wird dann noch deutlicher brennen. Dann werden noch mehr Leute denken: Wollen wir das? Auch in den USA.

Wäre es unter Sanders besser gewesen?

Ja, ich glaube schon. Man hat gehört, dass er gewisse Positionen der Friedensbewegung übernommen hat. Bei Obama haben viele gedacht, er würde dann Guantanamo schließen. Und ob Sanders Militärstützpunkte wie Ramstein in Deutschland geschlossen hätte, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.

Außenpolitisch hat er sich ja ziemlich zurückgehalten mit seinen Äußerungen. Da hat man wenig von ihm gehört.

Ja, aber man hatte die Hoffnung dann ergänzt. Das war der Punkt, oder, dass man gesagt hat, von all denen, die da rumstehen als Kandidaten, wäre doch der Sanders noch der beste. Oder es gibt noch eine von der grünen Partei, Jill Stein. Es gibt ja schon immer wieder interessante Politiker. McKinney zum Beispiel war ein interessanter Politiker in den USA. Die treten eigentlich im Bereich Repräsentantenhaus eher auf, im Senat weniger. Und ich finde in Deutschland eine Sahra Wagenknecht sehr intelligent, was sie sagt, wie sie mutig argumentiert. Man sagt dann: “Ja, ja, sie soll mal endlich die Fresse halten, weil sonst können sie ja gleich ins Gulag von Stalin gehen.” Das ist einfach undifferenzierte Kritik. Sie hat nie für den Stalinismus geworben. Aber sie ist eine, die wirklich versteht, dass man in der Gewaltspirale steckt, und dass diese NATO-Kriege, die auch Merkel jetzt führt, amoralisch und illegal sind und sie sagt’s. Sonst sehe ich nicht so viele, aber die ist mir aufgefallen. Und der Ströbele von den Grünen. Der ist unabhängig. Viele Leute haben gedacht, die Grünen sind eine Friedenspartei und Joschka Fischer hat Serbien bombardiert, er ist ein Kriegsverbrecher. Die Leute können sich das einfach leisten, Länder zu bombardieren, vor allem auch Bush und Blair, und sie werden nicht festgenommen. Für die meisten Beobachter ist es das, was sie am meisten ärgert, dass die einfach frei rumlaufen.


Alle Teile:

Es folgen:

  • Am 08. Januar: Eine Rezension zu Dr. Daniele Gansers aktuellem Buch “Illegale Kriege: Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren – Eine Chronik von Kuba bis Syrien”

Dr. Daniele Ganser ist Historiker, Friedens- und Energieforscher. Er ist Gründer des Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) und hat bereits mehrere Bücher veröffentlich. Sein aktuelles Buch „Illegale Kriege“ erschien im Oktober 2016 im Orell Füssli-Verlag, der auch bereits seine Werke „Europa im Erdölrausch“ und „NATO-Geheimarmeen in Europa“ veröffentlichte. Alle drei Bücher kann ich ausnahmslos empfehlen.


Foto: Kristin Herbig | Quelle: danieleganser.ch

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3 Gedanken zu “Das Auswahlverfahren ist schlecht! – Teil 2: Dr. Daniele Ganser im Interview über die US-Präsidentschaftswahlen

  1. Pingback: Ein Pass in die Tiefe und rechts vorbei – Teil 3: Dr. Daniele Ganser erklärt Kriegspropaganda und Medienkompetenz durch Fußball | Mira Howard

  2. Pingback: Was zählt sind Liebe und Wahrheit – Teil 1 eines langen und interessanten Gesprächs mit Dr. Daniele Ganser | Mira Howard

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