Wie aus Frieden etwas Negatives wurde

Frieden. Das klingt positiv, erstrebenswert, schön. Doch bedarf es nur eines zusätzlichen Wortes und schon wird aus dem vermeintlichen Ziel eines jeden gesund denkenden Menschen etwas, das langsam aber beständig zu einem Feindbild aufgebaut wird: Friedensaktivisten. Friedensbewegung. Friedensdemonstrationen. Also: Menschen, die sich aktiv für den Frieden einsetzen. Die Gruppe von Menschen, die eben das tun. Und die Aktionen, die diese Menschen organisieren, um ihrem Ziel näher zu kommen. Klingt gut? Sollte es aber nicht. Oder zumindest wird einem das erzählt.

Denn Friedensaktivisten sind Menschen wie der stark völkisch agierende Herausgeber  des COMPACT Magazins und frühere linke Journalist Jürgen Elsässer oder der als Antisemit diffamierte KenFM-Reporter Ken Jebsen (siehe hierzu auch meinen Artikel: “Ken Jebsen: Antisemit oder Friedensaktivist?”). Verschwiegen wird, dass die beiden ideologisch rein gar nichts miteinander gemein haben.

Die Friedensbewegung ist eine verdeckte Strategie der Querfront – also von Menschen, die sich politisch weder rechts noch links zuordnen lassen wollen, jedoch als klar antisemitisch und vor allem antiamerikanisch dargestellt werden. Dies soll bezwecken, rechtsgerichtete Absichten unter dem Vorwand der Friedensarbeit unter das Volk zu bringen. Ein beliebtes Beispiel ist PEGIDA.

Die bekanntesten Friedensdemonstrationen sind wohl die Montagsmahnwachen, doch auch PEGIDA-Aufmärsche nutzten den Begriff zeitweise für sich, sehen sie doch den Frieden durch andauernde Migrationsbewegungen gefährdet. Weitere bekannte Beispiele sind z.B. “Stopp Ramstein!” und auch Demonstranten gegen Freihandelsabkommen wie TTIP oder CETA zählen sich häufig dazu. Die breite Palette an politischen Ausrichtungen und Themen sorgt für Verwirrung, aber wer unter denselben Mantel schlüpft wie AfD und PEGIDA muss ja rechts sein…

Soweit geht zumindest die allgemein verbreitete Meinung. Doch woher kommt dieser Glaube? Nun ja, glauben heißt nichts zu wissen – auch in diesem Fall. Natürlich gibt es schwarze Schafe, wie sie in jeder größeren Gruppe von Menschen zu finden sind. Wie bei jedem guten Zweck wird es auch hier Gegenwind geben und es wird von Individuen oder kleineren Ansammlungen versucht werden, die breite Meinung in die jeweilige Richtung zu manövrieren bzw. wird von außen darauf hingearbeitet werden, die von einer zu stark werdenden Bewegung ausgehende Gefahr durch gezielte Diffamierung und Spaltung zu minimieren. Das Teile-und-Herrsche-Prinzip des alten Roms findet auch hier häufig Anwendung.

Die beiden Hauptzwecke der Diffamierung finden sich daher sowohl in der Spaltung der beteiligten Menschen in unterschiedliche Lager und damit dem Schaffen von Differenzen innerhalb der Bewegung, als auch der Negierung der positiven Absichten gegenüber der bis dato unbeteiligten Bevölkerung. Man zerstört die Gruppe also von innen heraus und sorgt von außen für einen schlechten Ruf.

Ein besonders gerne verwendetes Instrument hierbei ist die Schuld durch Assoziation.  Hierzu muss ich zur Verdeutlichung wieder auf den bereits erwähnten Jürgen Elsässer zurückkommen. Der frühere linke und heute nationalistische Journalist und Publizist machte sich in den frühen 1990er-Jahren vor allem einen Namen an der Seite bekannter Antideutscher. Er sang Loblieder auf Bomber Harris (dazu später mehr) und Hymnen wie “Deutschland muss sterben, damit wir leben können!”. Dies schwenkte mit zunehmendem Alter jedoch in das genaue Gegenteil um, denn die linke Bewegung sei zu schwach gewesen. Natürlich kam diese Veränderung schleichend und so kam es zu einigen Aufeinandertreffen z.B. zwischen Ken Jebsen und Jürgen Elsässer. Nachdem letzterer sich zunehmend öffentlich als Nationalist outete kam die Assoziation zu Jebsen somit nur gelegen, denn auch dieser konnte dann der rechten Szene zugeordnet werden. Obwohl Jebsen sich seither klar von Elsässer distanzierte und immer wieder gegen Kriegseinsätze und Waffenlieferungen demonstriert, sowie sich für Toleranz unabhängig von Rasse, Religion, Herkunft, Bildung etc. ausspricht, wird ihm diese Assoziation weiterhin angekreidet. Ähnlich erging es z.B. Dr. Daniele Ganser, nachdem dieser im Rahmen einer Diskussion über das Oktoberfestattentat 1980 und mögliche Zusammenhänge mit den NATO-Geheimarmeen, über die seine Doktorarbeit handelte, mit Karl-Heinz Hoffmann von der gleichnamigen Wehrsportgruppe zusammenkam.

Die Schuld der Assoziation erfüllt hier auch direkt beide Punkte der Unterminierung von Friedensbewegungen und ist damit die wirkvollste Methode. Innerhalb der Gruppierung versucht man, sich zunehmend von vermeintlich falsch denkenden Teilnehmern zu distanzieren. Gleichzeitig können so potentielle neue Demonstranten an der Teilnahme gehindert werden, da sie ja nicht als ausländerfeindlich, antiamerikanisch, rechts oder gar neonazistisch oder antisemitisch gelten wollen. Mit diesem und anderen, meist sehr ähnlich gearteten Mitteln, konnte somit erreicht werden, dass die aktuelle Friedensbewegung mit ihren Aktivisten und Demonstrationen für die breite Öffentlichkeit in die rechte Ecke gerückt wurde.

Eines gilt es meinerseits hierbei aber dringend klarzustellen: Ich bin ganz klar für eine aktive und starke Friedensbewegung. Sie kann, bei richtiger Organisation und Unterstützung aus der Bevölkerung, eine der wichtigsten Kontrollfunktionen innerhalb einer Demokratie sein. Die Bevölkerung kann geschlossen viel erreichen, das haben nicht zuletzt die friedlichen Aufständischen in der DDR bewiesen, die Gorbatschow letztendlich dazu zwangen, der deutschen Wiedervereinigung zuzustimmen. Allerdings, und hier spielt zu einem gewissen Maß sicherlich meine persönliche Meinung eine nicht unerhebliche Rolle, kann es nicht der Sinn und das Ziel einer Friedensbewegung sein, Hass zu streuen, Ungleichheit zu fördern und Ausgrenzung voranzutreiben. Frieden kann nie nur an einem Ort stattfinden. In Deutschland genießen wir seit einer sehr langen Zeit Frieden. Viele fühlen diesen aber derzeit von einer zunehmenden Immigration aus kriegsgebeutelten Ländern des nahen und mittleren Ostens sowie der Balkanstaaten bedroht. Wer wirklich für den Frieden aktiv sein möchte, kann diese Zuwanderung stoppen oder zumindest stark eingrenzen. Natürlich würden diese Menschen auch lieber in ihrer Heimat wohnen, wenn sie dort eine Zukunft mit Würde und ohne Bomben, Drohnen, Hunger, Not und Elend erwarten würde. Das liegt an uns! Doch ein Friedensaktivist kann nie ein solcher sein, wenn er für Hass ist. Wir alle müssen die Verantwortung für die Untaten unserer Politiker mittragen, das befehlen uns Mitgefühl und Menschlichkeit. Wer sich also als Friedensaktivist bezeichnet, aber gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen hetzt, dem sollte man für sich persönlich diesen Titel aberkennen. Herr Elsässer, Sie und Ihre Kumpanen dürfen sich gerne angesprochen fühlen.

Zwei Dinge haben in einer aktiven und erfolgreichen Bewegung, zu welcher Thematik auch immer, nichts zu suchen: Extremisten auf jeglicher Seite. So kann es weder sein, dass Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund ausgegrenzt werden, noch dass Autonome mit einem Abscheu auf die nazistische deutsche Vergangenheit und leider auch Gegenwart einen derartigen Hass auf Deutsche entwickelt haben, dass sie diesen den Tod wünschen. Letzteres ist momentan wieder sehr aktuell, nachdem der Grünen-Politiker Matthias Oomen sich auf Twitter entsprechend äußerte, und eine erneute Welle von Fliegerbomben auf Dresden erhoffte. Diese Menschen unterscheiden sich in keiner Weise von ihrem ausländerfeindlichen Pendant, sie hassen lediglich eine andere Gruppe Menschen.

Wem die Thematik der Bombardierung Dresdens unbekannt sein sollte, kann sich mit diesen Fotos einen winzigen Eindruck dessen verschaffen, was dort auf Befehl von General Harris angerichtet worden war, und was Menschen wie Herr Oomen erneut herbeisehnen.

Dresden, Teilansicht des zerstörten Stadtzentrums über die Elbe nach der Neustadt. In der Bildmitte der Neumarkt und die Ruine der Frauenkirche.

Dresden, zerstörtes Stadtzentrum Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1994-041-07 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Dresden, Tote nach Bombenangriff

Dresden, Tote nach Bombenangriff
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-08778-0001 / Hahn / CC-BY-SA 3.0

Eine Mutter über dem Kinderwagen ihrer Zwillinge im Tode erstarrt

Eine Mutter über dem Kinderwagen ihrer Zwillinge im Tode erstarrt
Foto: Deutsche Fotothek Nr. df_ps_0000047 / Photograph: Richard Peter / CC-BY-SA 3.0

Frauenleichnam in einem Luftschutzkeller

Frauenleichnam in einem Luftschutzkeller
Foto: Deutsche Fotothek Nr. df_ps_0000123 / Photograph: Richard Peter / CC-BY-SA 3.0

Die Tweets von Herrn Oomen, so wie sie zum aktuellen Zeitpunkt auch noch online sind:

Tweet von Herrn Oomen

Tweet von Herrn Oomen
Screenshot: Mira Howard

Tweet von Herrn Oomen

„Entschuldigungs“-Tweet von Herrn Oomen
Screenshot: Mira Howard

Doch nicht nur politisch und medial wird der Frieden als etwas Negatives dargestellt. Auch im alltäglichen Umgang mit Mitmenschen muss man zunehmend die Erfahrung einer Negativ-Belegung des Begriffes machen. Frieden und Pazifismus sei etwas für langhaarige, kiffende Hippies, Tagträumer wie John Lennon, ohne jeglichen Sinn für Realität. Man wird belächelt, wenn man für den Frieden oder gegen Atomkraft und Tierversuche demonstriert, Vegetarier und Veganer werden als schwächliche Untermenschen ausgelacht und zu Witzfiguren degradiert, wer seinen Konsum reduziert wird als peinlicher Pfennigfuchser ausgegrenzt.

Wenn Realist zu sein bedeutet, sich mit Tod, Elend und Egoismus abfinden zu müssen, dann ist das nicht meine Realität. Dann träume ich lieber weiter.

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Ein Gedanke zu “Wie aus Frieden etwas Negatives wurde

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