FBI./.Apple – Was weiter geschah: Alles nur ein Bluff?

Im Februar diesen Jahres verklagte der US-Inlandsgeheimdienst FBI den Technologiegiganten Apple, um diesen damit zu zwingen, das iPhone eines der Schützen des Amoklaufs in San Bernardino am 14. Dezember 2015 zu entschlüsseln und somit die darauf gespeicherten Daten offen zu legen. Apple weigerte sich indes mit der Begründung, dass die Schaffung eines alternativen Handy-Betriebssystems eine Hintertür nicht nur für dieses eine Smartphone, sondern für alle Produkte der Firma bilden würde, die mit diesem System, genannt iOS, laufen – und damit würden nicht nur die US-Regierung sondern auch andere, ausländische Staatsorgane und auch Hacker arbeiten können. Weitere Details hierzu gibt es in meinem damaligen Artikel zum Thema.

Kurz vor dem anvisierten Gerichtstermin hat das FBI nun seine Klage auf Eis gelegt, jedoch entgegen allgemeiner Meinung zunächst nicht endgültig zurückgezogen. Die Begründung: Man glaube auch ohne die Mithilfe der Apple-Programmierer an die Daten kommen zu können. Schon zuvor gab es Gerüchte, das FBI hätte hierzu Kontakt zu nicht weiter bekannten Personen und/oder Institutionen aufgenommen, die sich außerhalb der USA befänden. Es gilt allgemein als erwiesen, dass es sich hierbei um eine israelische Firma handelt. Die Klage wurde später, am 29. März endgültig zurückgezogen, was der Beweis sein dürfte, dass das iPhone nun endgültig geknackt wurde.

Dieser Schritt des FBI hat nun mehrere Folgen, die ich hier aufzeigen möchte. Ich möchte allerdings explizit darauf hinweisen, dass einiges davon rein spekulativ ist, dies jedoch sprachlich gekennzeichnet sein wird.

  1. Sofern es der Wahrheit entspricht, dass das FBI auch ohne eine Alternativ-Version des iOS an die Daten kommen konnte, so stellt dies den Beweis dar, dass es eine Sicherheitslücke in Apples System gibt. Zwar scheint diese Sicherheitslücke selbst für Experten nur schwer aufzufinden zu sein, aber das Bekanntwerden ihrer Existenz wird nun eine Schar von Regierungen und Hackern auf den Plan rufen, die versuchen werden, sie ausfindig zu machen und auszunutzen. Es liegt nun an Apple, diesen Fehler schnellstmöglich zu eruieren und auszumerzen, bevor es dadurch zu ernsthaften Verletzungen der Anwender-Privatsphäre und daraus resultierenden Schäden kommen kann.
  2. Äußerst verdächtig ist jedoch das Timing des Gerichtstermins und der entsprechenden Stilllegung der Klage durch das FBI. Die Vorstellung eines neuen iPhones und iPads – bei Apple in großen Live-Medien-Events regelrecht zelebriert – fand am 21. März statt. Der Gerichtstermin war für den 22. März datiert, die Aussetzung erfolgte am 21. März – kurz vor dem großen Event. Das iPhone, welches zunehmend Konkurrenz von den Produkten des südkoreanischen Herstellers Samsung erhält, konnte einen guten Marketing-Push gebrauchen. Ich möchte explizit darauf hinweisen, dass es sich hier um eine reine Vermutung und einen Denkanstoß handelt – es liegen (bislang) keine Fakten vor, um diese These zu beweisen! Was könnte ein Smartphone in den Zeiten steigender Privatsphäre-Ansprüche wohl besser vermarkten als die Verweigerung des Herstellers, es einer Regierung zu ermöglichen, leichter an die Daten der Anwender zu gelangen? Dafür spricht neben dem Timing und der Förderung von US-Firmen gegenüber ausländischer Unternehmen vieles. Man muss aber auch beachten, dass das letztliche Knacken des iPhones sogar ohne die Hilfe des Herstellers eher kontraproduktiv sein dürfte. Außer natürlich, wenn Apple bald zu vermelden hat, dass man die Sicherheitslücke gefunden und mit einem Update der Software geschlossen hätte…
  3. Neben diesem wohl bekanntesten Fall hat das FBI noch weitere ähnliche Klagen laufen, die jedoch nicht derart publik gemacht wurden – auch nicht durch Apple. Es bleibt abzuwarten, ob auch diese Klagen fallen gelassen werden, oder ob hier weiter auf einer Mithilfe des Unternehmens beharrt wird. Es bestehen allerdings begründete Zweifel daran, inwiefern man darüber überhaupt informiert werden wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – aber es erscheint schon verwunderlich, dass der Konzern lediglich auf den einen Fall aufmerksam macht, während er alle verbleibenden verschweigt. Es gilt als Medienvertreter und Anwender hier ein genaues Auge auf den weiteren Entwicklungen zu haben. Möglicherweise entwickelt sich eine weitaus weniger medial breit getretene Klage zu genau dem Präzedenzfall, für den der des San Bernardino-iPhones gehalten wurde.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s