Update #2: Die neusten Entwicklungen im türkisch-russischen Konflikt

Nach meinen vorangegangenen Berichterstattungen bezüglich des Konflikts zwischen Russland und der Türkei in Folge des Abschusses eines russischen Su-24-Kampfjets im türkisch-syrischen Grenzgebiet am 24. November sowie dem bereits erschienenen Update under Veröffentlichung des Breifes der Türkei an den UN-Sicherheitsrat am 25. November, gibt es nun eine erneute Zusammenfassung der aktuellen Entwicklungen.

In einem bereits vor einiger Zeit veröffentlichten WikiLeaks-Dokument wird deutlich gemacht, wie sehr sich die Türkei an die Einhaltung fremder Lufträume hält, wenn sie die Verletzung dieser als Nutzen für die eigenen Zwecke betrachtet. Das Eindringen in griechisches Territorium, das teilweise ca. 40 Mal täglich geschieht, scheint dabei vollkommen in Ordnung zu sein, nicht jedoch der maximal 17-sekündige Aufenthalt einer russischen Maschine über der Türkei, sofern man den Behauptungen der dortigen Regierung Glauben schenken will. Eine Doppelmoral, die sich gewaschen hat, und für große Empörung unter den Griechen sorgt. Entsprechende Luftraum-Verletzungen seitens der Türkei in Griechenland lassen sich bis mindestens Februar 2013 zurückverfolgen. Die Zahl der dortigen Kampfjet-Einsätze stieg seither deutlich an und liegt bereits in diesem Jahr deutlich im vierstelligen Bereich.

Lt. General Tom McInerney, seines Zeichens ehemaliger stellvertretender Stabschef der US Air Force, verteidigte in einem Interview mit FOX News die Ausführung der russischen Mission als das Testen von Grenzen und kritisierte die Türkei scharf: „Ich glaube, es war ein allzu aggressives Manöver und in der NORAD [North American Aerospace Defense] Kommando Region würden wir diese Art von Einsatzregeln nicht anwenden. Das musste vorgeplant sein.” Ein weiterer Hinweis, der McInerneys Anschuldigung untermauern dürfte, sind die vielen Videos, die von dem Absturz der Su-24 existieren. Aus mindestens vier verschiedenen Blickwinkeln wurde gefilmt, obwohl der Absturz weniger als Minute dauerte und nicht in einer urbanen Gegend geschah. Dies legt die Vermutung nahe, dass man vorher bereits von einem anstehenden Vorkommnis wusste.

Russland brüstet sich nun gegen ähnliche Vorkommnisse in der Zukunft. Auf der Luftwaffenbasis Khmeimim in Syrien installierten sie nun das S-400 Flugabwehrsystem – eines der modernsten seiner Art und laut Igor Konaschenkow, Sprecher des russischen Außenministeriums, unerreicht in Reichweite und Leistungsstärke. Russia Today schreibt über dieses System: “Das S-400 „Triumf“ [NATO-Name SA-21 „Growler“] gilt als eines der effektivsten Langstrecken-Flugabwehrsysteme der Welt. Es besteht aus acht Raketen-Startvorrichtungen, einer Kontrollstation und einem Allwetter-Radar, das zeitgleich bis zu 300 Ziele zugleich erfassen kann. Das System verfügt über drei Arten von Abfangraketen, in Abhängigkeit vom Zielobjekt. Feindliche Objekte können in einer Entfernung von bis zu 400 Kilometern und einer Flughöhe von 27 Kilometern abgefangen und zerstört werden. S-400 ist sowohl gegen Flugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen, einsetzbar. Nach Darstellung des Herstellers ist das System auch in der Lage die derzeit im Dienst befindlichen Tarnkappen-Flugzeuge zu eliminieren.”

In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande sprach Putin erneut die Ölgeschäfte der Türkei mit dem IS an und bezog sich hierbei auf Luftaufnahmen, die russische Piloten aus einer Höhe von 5.000 Metern machten. Auf diesen seien Tanklaster zu sehen, die sich über den gesamten Horizont erstreckten. Putin nannte dies “eine lebendige Öl-Pipeline”.

Das Atlantic Council, ein sog. Think Tank (dt.: Denkfabrik), der sich internationalen Affären im atlantischen Raum widmet, kam in seiner ausführlichen Analyse zu den geopolitischen Interessen und Auswirkungen der Geschehnisse zu dem Schluss, dass die Türkei kaum Interesse an der Einbindung Russlands im Kampf gegen den IS hätte und Ankara v.a. die Annäherung zu Frankreich im Zuge der Vergeltung der Pariser Terroranschläge vom 13. November ein Dorn im Auge sei. Wichtig war dem Konzil hierbei herauszuheben, wem die Auswirkungen des Abschusses der russischen Su-24 nützen würden. Bislang wurde jegliche militärische Kooperation beendet, alle gemeinsamen Termine storniert und die türkische Investition in 30 Projekte auf der Krim auf Eis gelegt. Russland betont aber weiterhin, dass eine gemeinsame Zusammenarbeit mit anderen Ländern, inkl. der Türkei, zur Bekämpfung des IS angestrebt wird. Das Atlantic Council kam letztlich zu dem Schluss, dass den Hauptnutzen der Westen, darunter die NATO und die Europäische Union, hätte. Mehr dazu in den Quellen.

In seiner geopolitischen Analyse der Vorfälle für die russische Nachrichtenagentur Sputnik kam der brasilianische Journalist Pepe Escobar zu dem Schluss, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nutze die NATO und die EU für seine eigenen Zwecke aus. Den Text gibt es in deutscher Übersetzung und in voller Länge bei RT Deutsch zu lesen (siehe Quellen).

Quellen:

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